Rechtsextreme pflastern Lyss mit Stickern zu die Lokalpolitik reagiert uneins
Artikel in der BZ am 3. Juni 2026
Vor einem Monat zogen junge Rechtsextreme durch Lyss und überklebten Strassenschilder und Laternenpfosten.
An einem gemeinsamen Aufruf gegen die Aktion beteiligte sich nur Mitte-links.
Die Lysser Lokalpolitik setzt ein Zeichen gegen Rechtsextremismus – doch nicht alle machen mit. Von Grünen bis Grünliberale stellten sich alle in einem Inserat im «Aarberger Anzeiger» vom 29. Mai gegen «demokratiefeindliche Gruppierungen», die den «öffentlichen Raum für ihre Hetze missbrauchen». SVP und FDP hingegen fehlten.
Der Vorfall hat sich am 8. Mai ereignet, am Tag vor der Rechtsextremen-Demo in Luzern. Rund zehn junge Männer seien durch Lyss gezogen und klebten dabei die Stadt mit Stickern mit rechtsextremen Inhalten zu. Die Sticker finden sich auf einem einschlägigen Onlineshop als «Basisaktivismus-Set».
Egloff vermutet, dass es sich nicht um Jugendliche aus der lokalen Bevölkerung handelte. «Niemand hat diese Gringä gekannt», sagt er. Man könne es jedoch nicht ausschliessen, da auch schon in der Vergangenheit rechtsextreme Sticker aufgetaucht seien. «Aber eine solche Menge und so explizite Inhalte waren neu», sagt Egloff.
Die meisten Sticker wurden bereits entfernt
Zwei Dutzend der Kleber habe er selbst entfernt, ein Bekannter von ihm kratzte um die fünfzig weitere Sticker von Verkehrsschildern und Strassenlaternen.
Als sich der Gemeindepräsident Stefan Nobs (FDP) rund zwei Wochen später auf einem Rundgang selbst ein Bild der Situation machte, habe er keine mehr entdeckt. «Mitarbeitende des Werkhofs und engagierte Bürgerinnen und Bürger hatten die allermeisten der Kleber offenbar bereits entfernt», sagt Nobs.
In Lyss ist grundsätzlich der Werkhof dafür verantwortlich, bei den Entsorgungstouren Kleber zu beseitigen. «Wenn wir konkrete Hinweise zu rechtsextremistischen oder auch linksextremistischen Klebern kriegen, gehen wir dem nach und entfernen diese. Solche Inhalte wollen wir in Lyss nicht.»
Doch weshalb fehlen die Logos von FDP und SVP auf dem Inserat im Anzeiger? Auf Anfrage schreibt Dominik Dummermuth, Präsident der SVP Lyss-Busswil, dass damit den Gruppierungen unbeabsichtigt Aufmerksamkeit zukomme. Und Pierette Glutz, Co-Präsidentin der FDP Lyss-Busswil, sagt: «Wir sind grundsätzlich auch gegen Rechtsextremismus, aber ohne Kontext versteht das Volk nicht, weshalb sich die Parteien plötzlich dazu äussern.»
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