Links gegen Rechts
Darf man noch Schwarzer Peter spielen?
Ist das Kartenspiel «Schwarzer Peter» aufgrund seines Namens und seiner Geschichte noch zeitgemäss? Darüber streiten Oriana Pardini (SP) und Mathias Müller (SVP).
Oriana Pardini: «Kinder lernen spielerisch. Gerade deshalb tragen Spiele Verantwortung.»
Kaum ein Kartenspiel ist im deutschsprachigen Raum so bekannt wie der «Schwarze Peter». Die Regeln sind einfach: Man bildet Paare, legt sie ab und hofft am Schluss, nicht auf der ungeliebten Karte sitzenzubleiben. Das Spiel geht auf Kartenspiele des 19. Jahrhunderts zurück und verbreitete sich rasch als Unterhaltung für Familien und Kinder.
Problematisch wurde allerdings nicht das Spielprinzip, sondern dessen Gestaltung. Während der deutschen Kolonialzeit tauchten Ausgaben auf, die den «Schwarzen Peter» als schwarzen Jungen darstellten. Solche Abbildungen waren Ausdruck eines kolonialen Weltbildes, das Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe stereotypisierte und abwertete. Aus heutiger Sicht sind sie eindeutig rassistisch und gehören ins Museum, nicht auf den Spieltisch.
Heisst das, das Spiel müsse verschwinden? Keineswegs. Entscheidend ist nicht der Name allein, sondern die Symbolik. Wird die ungeliebte Karte etwa als schwarzer Kater, Kaminfeger, Pechvogel oder in einer anderen Figur dargestellt, die keinen schwarzen Menschen zeigt, spricht nichts dagegen. Das Spielprinzip bleibt unverändert, die diskriminierende Bildsprache verschwindet. So einfach kann Fortschritt sein.
Kinder lernen spielerisch. Gerade deshalb tragen Spiele Verantwortung. Wer Kindern vermittelt, dass eine bestimmte Hautfarbe mit dem Verlierer oder dem «Schlechten» verbunden wird, reproduziert Vorurteile, ob beabsichtigt oder nicht. Moderne Gesellschaften sollten solche Botschaften weder verharmlosen noch verklären.
Alle Spiele, insbesondere jene für Kinder, müssen diskriminierungsfrei sein. Punkt. Wer an kolonial geprägten Darstellungen festhält, verteidigt keine Tradition, sondern überholte Klischees. Darüber kann und darf man diskutieren. Doch die Würde von Menschen steht nicht zur Debatte. Wer ernsthaft behauptet, diskriminierende Figuren hätten in heutigen Kinderspielen weiterhin ihren Platz, blendet historische Zusammenhänge aus, ist ein Ignorant und verweigert sich einer notwendigen Weiterentwicklung.
Mathias Müller: «Das Problem beginnt dort, wo eine hypernervöse Empörungsindustrie Rassismus erfinden will, wo gar keiner existiert.»
Eine Strafanzeige. Polizeibefragungen. Dutzende Seiten Justizakten. Tausende Franken Verfahrens- und Anwaltskosten. Ein auf Eis gelegtes Einbürgerungsverfahren. Man erwartet Gewalt, Korruption oder organisierte Kriminalität. Tatsächlich geht es um ein harmloses Kartenspiel im Kindergarten: «Schwarzer Peter».
Die Kinder spielten friedlich. Der Klassenassistent spielte mit – lachend, wie die Lehrerin berichtet. Monate später zeigte ausgerechnet er sie wegen Rassismus an. Am Ende stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Zurück blieben ein beschädigter Ruf und die bittere Erkenntnis, wie schnell unser Staat heute blockiert wird.
Die eigentliche Misere spielt nicht im Kindergarten. Sie spielt in den Köpfen einer überempfindlichen Kultur, die Gespenster jagt. Der «Schwarze Peter» geht historisch auf den Räuber Johann Peter Petri zurück, einen Weggefährten des Schinderhannes. «Schwarz» war sein Beiname aufgrund seines Russes im Gesicht – nicht seiner Hautfarbe. Seit Generationen spielen Kinder dieses Spiel völlig unbeschwert, ohne darin auch nur einen Funken Diskriminierung zu sehen.
Die Psychologie kennt dafür einen einfachen Mechanismus: Wer überall böse Absichten vermutet, findet sie irgendwann selbst im Wetterbericht. Das Problem ist nicht, dass Menschen echten Rassismus bekämpfen. Das Problem beginnt dort, wo eine hypernervöse Empörungsindustrie Rassismus erfinden will, wo gar keiner existiert.
Diese selektive Hysterie ist absurd. Wir freuen uns über schwarze Zahlen, bewundern den schwarzen Gürtel im Judo und schätzen schwarzen Humor. Niemand wittert dahinter ein Verbrechen. Nur bei einem Kinderspiel soll plötzlich der Staatsanwalt ausrücken.
Wir müssen aufpassen, dass wir vor lauter ideologischer Korrektheit nicht den gesunden Menschenverstand opfern. Eine Gesellschaft verliert ihre Freiheit nicht, wenn Kinder unschuldig Karten spielen. Sie verliert sie, wenn erwachsene Tugendwächter den Rechtsstaat für ihre moralisch-ideologischen Kreuzzüge missbrauchen.
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