Oriana Pardini (SP) und Mathias Müller (SVP) diskutieren wöchentlich aktuelle Fragen.
Quelle: Nik Egger/ade

Links gegen Rechts

Anschluss Wankdorf Ost: Was tun?

Der Verkehrsknotenpunkt Wankdorf Ost ist gefährlich, aber die Projekte sind blockiert. Alle fordern: Etwas muss geschehen. Aber was? Oriana Pardini (SP) und Mathias Müller (SVP) streiten.


Oriana Pardini (SP)|Mathias Müller (SVP)
Publiziert: 21. September 2026, 06:00 Uhr

Oriana Pardini: «Was ursprünglich Teil eines Gesamtpakets war, droht zu einem einseitigen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu werden.»

Braucht es den Anschluss Wankdorf Ost wirklich? Entscheidend ist, was ein Ausbau für die Quartiere, den Verkehr und die künftige Entwicklung der Stadt Bern bedeutet.

Der heutige Anschluss Wankdorf ist ein komplexer und gefährlicher Verkehrsknoten. Ich konnte mich als Velo- und Autofahrerin davon überzeugen. Mit dem Velo ist er unübersichtlich und gefährlich. Das geplante Projekt soll Verkehrsströme entflechten, die Sicherheit verbessern und neue Verbindungen für den Langsamverkehr schaffen. Seine Umgestaltung gilt als Voraussetzung für die spätere Verlegung der A6 in einen Tunnel.

Genau hier liegt das Problem. Die Ausgangslage hat sich grundlegend verändert. Der Bundesrat hat im Juni 2026 entschieden, den Bypass Bern-Ost in den nächsten 40 Jahren nicht zu realisieren. Gleichzeitig soll der Ausbau der Autobahnkapazitäten rund um Bern weiterverfolgt werden. Die Stadt Bern lehnt diese Entwicklung ab und fordert eine Korrektur.

Damit stellt sich die Frage nach dem Sinn des Anschlussausbaus neu. Was ursprünglich Teil eines Gesamtpakets war, droht zu einem einseitigen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu werden. Entscheidend ist, dass kein zusätzlicher Verkehr durch die angrenzenden Quartiere entsteht.

Gleichzeitig muss der Anschluss Wankdorf sicher funktionieren. Fussgänger und Velofahrende brauchen gute Verbindungen, und der Verkehr muss in Einklang mit dem städtischen Netz gebracht werden. Das sind berechtigte Ziele, aber sie rechtfertigen nicht automatisch eine Erhöhung der Strassenkapazität und des Verkehrs.

Eine gute Verkehrspolitik und Stadtentwicklung, wie sie auch die SP Stadt Bern vertritt, stellt die Gesamtwirkung ins Zentrum. Quartiere und die Allmend müssen geschützt, Sicherheit und Lebensqualität verbessert werden.

Solange der Bypass Bern-Ost auf Jahrzehnte hinaus nicht vorgesehen ist, braucht es neue Antworten. Der Anschluss Wankdorf sollte nicht zum Selbstzweck werden. Verkehrspolitik muss den Bedürfnissen der Menschen in Bern als Lebens- und Arbeitsort entsprechen.

Mathias Müller: «Wer die Leistungsfähigkeit der Hauptachsen künstlich drosselt, beseitigt keine Autos.»

Wer ein Herz wachsen lässt, darf die Hauptschlagader nicht abbinden. Genau dieser medizinische Unsinn passiert gerade beim Berner Wankdorf. Das Gebiet soll florieren: mehr Betriebe, mehr Events, mehr Arbeitsplätze. Gleichzeitig blockiert die rot-grüne Stadtregierung hartnäckig den dringend nötigen Ausbau des Autobahnanschlusses. Man will den wirtschaftlichen Motor auf Hochtouren laufen lassen, weigert sich aber standhaft, die Kapazitäten dafür bereitzustellen. Das Resultat ist ein chronisch überlasteter Knotenpunkt, der alle ausbremst.

Man muss wahrlich kein Verkehrsplaner sein, um diesen massiven Widerspruch zu erkennen. Menschen müssen morgens zur Arbeit, Handwerker zu ihren Kunden und frische Waren in die Regale der Geschäfte. Ich kenne die tägliche Realität auf unseren Strassen als Pendler aus eigener, teils leidvoller Erfahrung: Der Verkehr löst sich schliesslich nicht einfach in Luft auf, nur weil er politisch unerwünscht ist. Wer die Leistungsfähigkeit der Hauptachsen künstlich drosselt, beseitigt keine Autos. Er drückt sie unweigerlich dorthin, wo sie garantiert niemand haben will – auf Schleichwege und mitten in die ohnehin belasteten Wohnquartiere.

Die reflexartige Antwort aus der Stadt lautet stets: Mehr Velo, mehr ÖV. Doch ein hipper Lastenvelo-Kurier transportiert keine schweren Heizkessel. Der Servicetechniker steigt mit seinem Spezialwerkzeug sicher nicht ins Tram. Und wer ausserhalb des dichtesten städtischen ÖV-Netzes wohnt oder arbeitet, kann seine reale Mobilität nicht durch ideologische Wunschvorstellungen ersetzen. Ideologie baut keine Strassen und liefert keine Pakete aus.

Verkehrspolitik beginnt nicht mit der Frage, was gerade ins linke Weltbild passt, sondern mit der Frage, was im Alltag wirklich funktioniert. Wer das Wankdorf als prosperierendes Zentrum weiterentwickeln will, muss zwingend dessen Erreichbarkeit für alle sichern. Sonst droht der unweigerliche Kollaps. Denn wer das Herz wachsen lässt, muss auch die Schlagader pflegen.

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1 Kommentar

Heinz Berger

Zu einer umfassenden Verkehrsplanung gehört ausserdem ebenfalls eine Definition über die maximale Kapazität einer Infrastruktur. Stichwort 9 Mio. Schweiz: Um derartige Ausbauten zu verhindern, hätte Links/Grün die Begrenzung der Einwohnerzahl als probates Mittel dazu erkennen können. Aber davon wollte man auf dieser Seite ja nichts wissen. Jetzt müsst ihr halt lernen mit den Konsequenzen zu Leben.

Positiv: 10 / Negativ: 4

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