Oriana Pardini (SP) und Mathias Müller (SVP) diskutieren wöchentlich aktuelle Fragen.
Quelle: Nik Egger/ade

Links gegen Rechts

Pardini vs. Müller: Braucht Aarberg ein eigenes Spital?

Die Inselgruppe schliesst in Aarberg die stationäre Chirurgie. Was bedeutet das für das Spital? Darüber streiten Oriana Pardini (SP) und Mathias Müller (SVP).


Oriana Pardini (SP)|Mathias Müller (SVP)
Publiziert: 31. August 2026, 06:00 Uhr

 

Oriana Pardini: «Problematisch wäre es, wenn ‹Neuausrichtung› schleichend zum Abbau des Standorts wird.»

Die Nachricht, dass die Inselruppe die stationäre Allgemeinchirurgie am Spital Aarberg aufgeben will, wirft eine grundsätzliche Frage auf: Welche Gesundheitsversorgung wollen wir in den Regionen des Kantons Bern?

Die Inselgruppe begründet den Entscheid mit einer Neuausrichtung. Aarberg soll künftig auf Orthopädie, Altersmedizin und Innere Medizin fokussiert werden, die ambulante Chirurgie soll ausgebaut werden. Stationäre Eingriffe werden an anderen Standorten konzentriert.

Ein Spitalstandort ist nicht automatisch sinnvoll, wenn jede medizinische Disziplin angeboten wird. Spezialisierung und ambulante Behandlung verändern die Anforderungen. Es kann nachvollziehbar sein, komplexe Eingriffe zu konzentrieren. Entscheidend ist, dass keine Versorgungslücken entstehen.

Die SP Kanton Bern und ich persönlich stehen für eine gute Gesundheitsversorgung. Die Bevölkerung muss unabhängig vom Wohnort Zugang zu guter medizinischer Versorgung haben. Aarberg muss deshalb nicht zwingend ein vollständiges Akutspital mit eigener stationärer Chirurgie bleiben.

Aber Aarberg braucht einen starken medizinischen Standort. Die Konzentration auf Innere Medizin, Altersmedizin und Orthopädie kann sinnvoll sein. Eine alternde Bevölkerung spricht für wohnortnahe Versorgung. Problematisch wäre es, wenn «Neuausrichtung» schleichend zum Abbau des Standorts wird.

Entscheidend sind Notfallversorgung, Personal und Anschlusslösungen. Wir sollten weder jede Veränderung bekämpfen noch eine Schliessung als betriebswirtschaftliche Notwendigkeit akzeptieren. Unser Massstab muss die Versorgung sein. Die Aufgabe der stationären Chirurgie kann nachvollziehbar sein, sofern die frei werdenden Kapazitäten in einen starken Versorgungsstandort investiert werden.

Nicht zu akzeptieren wäre, wenn primär Kosten gesenkt und Leistungen verlagert werden, ohne die regionale Versorgung zu sichern. Aarberg braucht auch künftig einen starken, gut erreichbaren Gesundheitsstandort für die Region. Daran muss sich die Neuausrichtung messen lassen.

 

Mathias Müller: «Ein Spital ist kein Heimatmuseum.»

Manchmal heilt ein Patient erst, wenn der Chirurg zum Skalpell greift. Genau dieses Prinzip gilt jetzt für unser Spital Aarberg.

In der Gesundheitspolitik ist die Versuchung gross, jede bestehende Struktur um jeden Preis zu verteidigen. Ein Spital vor der Haustür stiftet Identität und vermittelt Sicherheit. Wer eine Abteilung schliessen will, gilt schnell als Totengräber der Region.

Doch ein Spital ist kein Heimatmuseum. Mit dem neuen Spitalzentrum in Brügg werden die Karten im Seeland neu gemischt. Es wäre widersinnig, dort hochmoderne Strukturen zu bauen und wenige Kilometer entfernt jedes historisch gewachsene Angebot künstlich am Leben zu erhalten. Angesichts des Fachkräftemangels können wir ohnehin nicht überall alles anbieten. Deshalb ist der eingeschlagene Weg für Aarberg richtig: Innere Medizin, Orthopädie und Altersmedizin bleiben, ambulante Eingriffe werden gestärkt – die stationäre Allgemeinchirurgie fällt weg.

Eine rote Linie gibt es für mich: die Notfallversorgung. Wer im Seeland nachts verunfallt, braucht rasch Hilfe. Ob dafür der heutige 24-Stunden-Betrieb in Aarberg in Stein gemeisselt bleiben muss, ist eine andere Frage. Hier gehören Fakten auf den Tisch: Fallzahlen, Kosten, Auslastung, Rettungszeiten und medizinische Qualität.

Nicht das leuchtende Schild über dem Eingang rettet Leben, sondern die tatsächliche Leistung. Die Leitfrage darf nicht lauten, wie wir alte Strukturen zementieren. Sie muss lauten: Wie erhalten wir für jeden eingesetzten Prämien- und Steuerfranken die optimale Versorgung im Seeland?

Teure Doppelspurigkeiten bezahlen am Ende wir alle. Wer aus falscher Nostalgie jeden nötigen Eingriff verweigert, gefährdet am Ende die gesamte Institution. Setzen wir das Skalpell also gezielt an – nicht um abzubauen, sondern um das Spital Aarberg für die Zukunft nachhaltig gesund zu machen.

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