Links gegen Rechts
Trockenheit: Sollte der Kanton Bern jetzt sofort das Grundwasser besser schützen?
Tut der Kanton genug, um das Grundwasser für die Zukunft zu sichern? Darüber streiten Oriana Pardini (SP) und Mathias Müller (SVP).
Oriana Pardini: «Es fehlt weder an Wissen noch an Hilfsmitteln, sondern am politischen Willen»
Der Frühling und der Sommer 2026 gehören zu den trockensten Perioden. Zwischen Anfang April und Ende Juni fielen im Schweizer Mittel nur rund 185 Millimeter Niederschlag statt der üblichen 362. Gemeinden mussten Wasser von Nachbargemeinden beziehen, Dorfbrunnen abstellen und zum Sparen aufrufen. Wasserknappheit ist leider auch bei uns Realität.
Grundwasser reagiert langsam. Was heute versickert, kommt teilweise erst Jahre später bei unseren Fassungen an. Weniger Grundwasser bedeutet weniger Verdünnung, Schadstoffe konzentrieren sich stärker.
Dabei ist bekannt, was zu tun wäre. Mit sogenannten Zuströmbereichen wird festgelegt, aus welchen Gebieten das Wasser einer Trinkwasserfassung stammt. Dort könnten Massnahmen ergriffen werden, um Schadstoffe fernzuhalten. Die Kantone sind seit 1998 verpflichtet, solche Bereiche bei konkreter Gefährdung festzulegen.
Passiert ist wenig! Bei nur rund 60 von 18’000 Grundwasserfassungen ist festgelegt, aus welchem Gebiet das Wasser kommt. Dort müsste das Grundwasser geschützt werden.
Seit dem Chlorothalonil-Skandal 2019 ist das Problem im Kanton Bern bekannt. Damals war das Trinkwasser von 180’000 Menschen in über 50 Gemeinden betroffen.
Das Amt für Wasser und Abfall hat eine digitale Karte (GIS) entwickelt. Damit lässt sich feststellen, woher das Wasser einer Grundwasserfassung kommt. Es fehlt also weder an Wissen noch an Hilfsmitteln, sondern nur am politischen Willen.
Noch im Herbst 2025 schrieb der Regierungsrat, die Ausscheidung der Zuströmbereiche müsse im Rahmen der Wasserstrategie 2040 beschleunigt werden. Im Juni 2026 hat die bürgerliche Mehrheit im Grosse Rat genau dieses Instrument zurückgewiesen. Die SVP und ihre Kumpane stellen sich gegen einen Grundwasserschutz, der langfristig Kosten spart. Nicht zu handeln, verschiebt die Rechnung in die Zukunft. Sie wird teurer, während Grundwasser und Gesundheit akut gefährdet werden.
Wer Grundwasserschutz heute verhindert, darf sich morgen über Wassermangel und hohe Kosten nicht wundern.
Mathias Müller: «Wenn ein Landwirt weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen darf, fällt deswegen kein zusätzlicher Tropfen Regen»
Es ist eine Kernaufgabe des Kantons, dafür zu sorgen, dass die Berner sauberes Trinkwasser haben. Wenn der Bund seit Jahrzehnten verlangt, die Zuströmbereiche festzulegen, dies aber immer noch nicht geschehen ist, dann ist es höchste Zeit, diese Aufgabe zu erledigen.
Das suggeriert Entschlossenheit. Mit nachhaltiger Politik hat dieser Vorschriftenaktivismus aber wenig zu tun.
Trockenheit und Wasserqualität sind nicht dasselbe. Wenn ein Landwirt weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen darf, fällt deswegen kein zusätzlicher Tropfen Regen. Die Einschränkungen haben dafür konkrete Folgen: geringere Erträge, höhere Kosten und mehr Lebensmittel aus dem Ausland.
Die Produktion verschwindet nicht, sie wird verlagert. Dann kommt das Gemüse nicht mehr aus dem Seeland, sondern aus Ländern mit teilweise tieferen Umweltstandards und wird über Tausende Kilometer in die Schweiz transportiert. Das als nachhaltig zu verkaufen, überzeugt nicht.
Gerade bei zunehmender Trockenheit wäre es widersinnig, jene weiter zu schwächen, die einen wichtigen Teil unserer Lebensmittelversorgung sicherstellen: unsere Seeländer Bauern.
Deshalb: Zuströmbereiche festlegen und dort handeln, wo echter Handlungsbedarf besteht. Sie dürfen aber nicht zum Vorwand für immer neue, flächendeckende grüne Verbote werden.
Der Staat sollte nur dann einschränkend eingreifen, wenn es wirklich notwendig, wirksam und verhältnismässig ist. Eigentumsrechte, Ernährungssicherheit und eine leistungsfähige Landwirtschaft sind dabei hoch zu gewichten.
Guter Umweltschutz setzt gezielt an. Wer vorsorglich überall neue Regeln erlässt, löst das Problem nicht – schafft aber mit Sicherheit mehr Bürokratie.
Sauberes Wasser braucht vernünftige Lösungen, nicht den nächsten Verbotskatalog.
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2 Kommentare
Martin Graf
Liebes Bieler Tagblatt, wann läuft dieses Sponsoring der beiden Politiker endlich aus. Chancengleichheit gegenüber anderen = Null. Inhalt, absolut für jeden, der Lesen kann selbst machbar. Das Abonnement des Mediums hängt langsam an einem ganz dünnen, seidenen Faden.

Peter Daniel Schultheiss
Grundwasser lügt nicht: Oriana Pardini behauptet auf ajour, versickertes Wasser brauche Jahre bis zur Fassung. Schön, Frau Pardini, nur: Welches Grundwasser meinen Sie eigentlich? Das BAFU jedenfalls kennt keins, ausser Rhäzünser, das sich so viel Zeit lässt: Oberflächennahes Grundwasser reagiert binnen Tagen bis Wochen; selbst tiefe Grundwasserleiter brauchen bloss Monate – selten Jahre. Während Pardini von Fliesszeiten schwadroniert, als plane sie eine geologische Doktorarbeit, drehen Gemeinden längst die Hähne zu. Nicht in Jahren, nicht in Monaten – jetzt, wenn nicht schon gestern …